Dünne Hufsohlen als Ursache chronischer Lahmheit und Leistungsabfall

Lahmheit(en) und Erkrankungen des Bewegungsapparates sind der häufigste Grund der tierärztlichen Konsultation in der Pferdepraxis. Eine genaue Untersuchung und Anamnese-Erhebung sind erforderlich, um Probleme des Bewegungsapparates dauerhaft zu lösen. Die Ursachenforschung ist oft aufwändig und anspruchsvoll, manchmal aber doch wieder recht einfach! Eine zu dünne Hufsohle ist ein häufiger und oft nicht erkannter Grund für akute, wiederkehrende oder auch chronische Lahmheiten des Pferdes…

Dünne Hufsohlen stellen vor allem „Barfußpferde“ vor erhebliche Probleme. Ursachen sind meist falsche oder zu häufige Hufbearbeitung, Haltungsfehler oder auch Reiten auf grobkörnigem Sand (sog. „Bausand“), Schotter oder Straße. Besitzer berichten oft, dass ihr Pferd „fühlig“ ist nach der Hufbearbeitung, ungern aus der Box kommt und beim Ausritt den Grasstreifen oder weichen Boden bevorzugt. Taktfehler oder gar Leistungsverweigerung beim Sportpferd können die Folge sein. Betroffene Pferde zeigen oft einen erheblichen Wendeschmerz und gehen auch an der Longe auf weichem Boden lahm, manchmal einseitig, beidseitig oder auch umspringend. Eine eingehende tierärztliche Untersuchung ist bei Verdacht unbedingt erforderlich. Dies vor allem zum Ausschluss anderer oder begleitender Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können wie zum Beispiel Krankheiten des Hufgelenkes, Hufbeines oder des Strahlbeines. Eine Röntgenuntersuchung der Füße ist immer erforderlich. Nur eine frühe Diagnostik und ursächliche Behandlung sind erfolgversprechend. Dabei ist festzuhalten, dass sich eine durch dünne Sohlen verursachte Lahmheit in der Regel nicht oder wenig durch vom Besitzer oder Tierarzt verabreichte „Schmerzmittel“ beeinflussen lässt. Häufig werden betroffene Pferde auch fälschlich als Rehe-Patienten behandelt. Diese Fehleinschätzung entsteht dadurch, dass beim Rehe-Patienten eine Drehung oder ein Absenken der Hufbeinspitze einen erhöhten Druck auf die Hufsohle verursachen kann und demzufolge die Füße ähnlich schmerzen. Ziel der Behandlung der Lahmheit bei zu dünnen Hufsohlen sollte immer eine nachhaltige Anpassung der Haltungsbedingungen sowie grundlegende Überprüfung der Hufbearbeitung sein. Ein geeigneter orthopädischer Beschlag kann über längere Zeit erforderlich sein.

Bewegungsstörungen durch zu dünne Hufsohlen sind immer „hausgemacht“ und dringend behandlungsbedürftig. Sie führen beim Pferd zu chronischen Schmerzen und beeinträchtigen seine Lebensqualität erheblich. Nur bei rechtzeitiger Erkennung führt die Behandlung schnell zum Erfolg.